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Haustypen, Hausarten

Wie Ihr den richtigen Haustyp für Euch findet!

Lesedauer: ca. 6 Minuten

Zu faul zum Lesen? Komm ich les' es Dir vor 🙂

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Welcher Haustyp passt zu Euch?

Wollt ihr demnächst ein Haus kaufen oder bauen? Ihr wisst aber überhaupt nicht wie ihr filtern sollt, da ihr die Vor- und Nachteile der einzelnen Haustypen nicht kennt? Dann seid ihr hier richtig. In diesem Blogbeitrag erkläre ich euch, welche Haustypen es gibt, was jeweils gut und weniger gut daran ist und was es noch bei der Auswahl des Haustyps zu beachten gibt. 

Haustypen:

freistehendes Einfamilienhaus:

Der wohl beliebteste Haustyp ist des freistehende, anderthalb bis zweistöckige Einfamilienhaus. Man hat vermeintlich viel Platz und hat einen Abstand zum Nachbarn. Dadurch kann man doch viel eher tun und lassen was man will, als bei einem Reihenhaus, oder? Es ist aber auch teurer. Zum einen ist das Grundstück größer und damit kostet es in Anschaffung und Pflege auch mehr. Zum anderen müsst ihr an allen Seiten des Hauses eine Fassadenverkleidung mit Dämmung anbringen. Wenn ihr kauft ist vielleicht eine nachträgliche Dämmung des Hauses nötig. Bei einem freistehenden Einfamilienhaus (EFH) kommen da um einiges mehr Quadratmeter zusammen, als bei einem Reihenhaus mit nur zwei Außenwänden.

Aber auch im Unterhalt sind freistehende EFHs teurer als beispielsweise Reihenhäuser. Da spielt auch wieder das größere Grundstück eine Rolle für die Pflege und Instandhaltung der Flächen. Außerdem kostet jeder qm versiegelte Fläche bei den Abgaben für die Entwässerung mehr. Die Energiekosten sind bei vergleichbarer technischer Ausstattung auch höher, da über alle vier Außenwandseiten Wärme verloren wird. Wenn ihr also extrem aufs Geld schauen müsst, dann ist ein freistehendes EFH wahrscheinlich nicht die beste Idee, da nicht nur das Grundstück und die (Um-)Baukosten höher sind, sondern auch die laufenden Kosten. Was Gestaltungsmöglichkeiten, persönliche Freizeitentfaltung und Freiheitsgefühl angeht, ist das freistehende EFH aber unschlagbar.

Vorteile:

  • große Gestaltungsfreiheit
  • Abstand zum Nachbarn
  • meistens größerer Garten
  • Garage oder Stellplatz am Haus
  • Belichtung aller Räume unproblematisch

Nachteile:

  • Grundstück muss größer sein und ist damit teurer
  • höhere Baukosten durch mehr Außenwandfläche
  • höhere Betriebskosten (Energie, Abwasser, Pflege)
  • meistens weniger attraktive Lagen in Vororten und auf dem Land

Reihenhaus:

Reihenhäuser sind meist sehr stadtnah gelegen. Das ist ein großer Vorteil, wenn man gerne stadtnah wohnen möchte oder muss. Dadurch können sie aber auch schnell teurer werden als so manch ländlich gelegenes Einfamilienhaus. Es kann also sein, dass ein Reihenhaus, was euren Ansprüchen genügt, genau soviel kostet, wie ein freistehendes EFH im Vorort mit 30m² mehr Wohnfläche, mit 450 m² mehr Grundstück und vielleicht sogar noch ein besserer Bauzustand. ABER: Innenstadt nahe Lagen bleiben attraktiv und ihr werdet garantiert an diesem Haus keinen Verlust machen (Es sei denn es ist schon ein Blasenpreis). 

Ein Nachteil der Reihenhäuser ist die meist fehlende Garage und oft gibt es nicht einmal einen Stellplatz am Haus. Mitunter sind Reihenhäuser an Stichwegen angeordnet. Dort könnt ihr das Haus nicht mit dem Auto erreichen.

Wer ein Reihenhaus in Betracht zieht sollte mit nachbarschaftlichen Geräuschen keine Probleme haben sowie bereit sein, sich rücksichtsvoll zu verhalten. Der Schallschutz wird zwar immer besser, einen vollständige Schallschutz vom Nachbarn gibt es bei Reihenhäusern allerdings nicht. Gleiches gilt für die Gartennutzung. Die Terrassen grenzen aneinander und bei schönem Wetter möchte der Nachbar sich vielleicht in Ruhe sonnen und ihr wollt eine Grillparty veranstalten. Da ist kommunikatives Geschick und gegenseitiges Wohlwollen gefragt.

Vorteile:

  • günstige Ausnutzung des Grundstücks durch grenzständige Bebauung
  • meist innenstadtnahe Lage –> wertstabil
  • günstige Baukosten durch nur zwei Außenwände
  • weniger Energieverbrauch als beim freistehenden Haus

Nachteile:

  • wegen guter Lage höhere Quadratmeterpreise
  • oft kein Stellplatz am Haus
  • meistens weniger Wohnfläche
  • gemeinsame Wände mit den Nachbarn

Doppelhaus(hälfte):

Die Doppelhaushälfte ist sozusagen der Hybrid aus freistehend und Reihenhaus. Mit allen Vor- und Nachteilen der jeweiligen Kategorie. Einen gravierenden Nachteil haben Doppelhaushälften: Wenn Doppelhäuser den Besitzer wechseln, hat das leider oft eine haarsträubende Architektur zur Folge. Die Häuser werden normalerweise in einer architektonischen Einheit entworfen und gebaut, das muss aber leider nicht immer so bleiben. So sieht man z.B. oft Doppelhäuser, wo das eine geklinkert das andere verputzt ist. Das eine hat eine 20 cm dicke Dämmung aufgebracht, das andere nicht. Das eine Haus hat rote Fenster das andere blaue.

Hinzu kommt das Konfliktpotenzial durch die gemeinsame Gebäudetrennwand. Meistens kann man sich seine Nachbarn nun mal nicht aussuchen. Jetzt fragt ihr euch sicher: aber bei Reihenhäusern ist das doch auch so, nur noch schlimmer, da man meistens zwei direkte Nachbarn hat. Ja, ihr habt beim Reihenhaus zwei direkt angrenzende Nachbarn, aber ihr geht da ja auch mit der Einstellung rein, mit beiden Nachbarn gut klar zu kommen. Bei den jeweiligen Nachbarn ist es (hoffentlich) genauso. Bei einer Reihenhauszeile müssen alle irgendwie miteinander auskommen. Beim Doppelhaus ist es aber nur einer, an dem man sich reiben kann. Die tolerante Grundhaltung ist beim Doppelhaus ganz einfach nicht so stark ausgeprägt, wie beim Reihenhaus. 

Vorteile:

  • Kompromiss für den Geldbeutel aus freistehendem Haus und Reihenhaus
  • meistens recht großer Garten möglich
  • sowohl häufig innenstadtnah als auch ländlich vertreten

Nachteile:

  • unberechenbare Entwicklung der Architektur durch zwei Eigentümer
  • oft schwierige Nachbarschaft durch gemeinsame Wand

Bungalow:

Bungalows haben die gleichen Vorteile wie mehrstöckige freistehende Einfamilienhäuser. Das große Grundstück, der Abstand zu den Nachbarn, die gute Belichtung aller Bereiche im Haus. Allerdings sind die Nachteile der freistehenden EFHs auch noch gravierender. Da die ganze Wohnfläche auf einer Ebene untergebracht ist, ist auch das A/V- Verhältnis (Wärmeübertragende Hüllfläche im Verhältnis zum beheizten Gebäudevolumen) schlechter. Die Bodenplatten- und Dachfläche ist größer und darum deutlich teurer. Ihr verbraucht mehr Fläche, weshalb ihr für die gleiche Gartengröße, wie beim mehrstöckigen EFH ein größeres Grundstück braucht.

Der eine unschlagbare Vorteil ist aber die Ebenerdigkeit. Besonders, wenn ihr auf Barrierefreiheit Wert legt und schon für euer Alter mit plant, kann sich ein Bungalow anbieten. Über die Architektur von Bungalows, egal ob mit Flachdach oder mit einem geneigten Dach lässt sich jedoch streiten. Sie finden hierzulande eigentlich keine Entsprechung in einem regionalen Baustil. Wenn ihr aber eigentlich nur an dem Vorteil der Ebenerdigkeit interessiert seid, müsst ihr nicht zwangsläufig einen Bungalow bauen. Warum nicht noch eine Einliegerwohnung mit einplanen, die dann oben ist und so eine ortstypische Architektur ermöglicht und nebenbei noch Mieteinnahmen generiert?

Noch ein wichtiger Punkt bei Bungalows, der noch sehr wenig Beachtung findet: Die Dachterrasse: Im innerstädtischen Raum gibt es sie oft, aber bei Einfamilienhäusern als Bungalow sieht man sie noch selten. Ein Flachdach bietet als Aufenthaltsbereich ein riesiges Potenzial. Damit habt ihr nämlich einen Garten in zwei Zonen, ein Sonnendeck mit einem tollen Ausblick und den „normalen“ Garten. Außerdem gut für den Geldbeutel: Das Grundstück könnte ohne Flächeneinbußen beim Außenraum viel kleiner sein.

Vorteile:

  • Ebenerdigkeit, Barrierefreiheit
  • Möglichkeit eines Dachgartens
  • große Gestaltungsfreiheit
  • Abstand zum Nachbarn
  • Garage oder Stellplatz am Haus
  • Belichtung aller Räume unproblematisch

Nachteile:

  • Grundstück muss noch größer sein als beim mehrgeschossigen EFH
  • rel. hohe Baukosten durch mehr Außenwand-, Boden- und Dachfläche
  • rel. hohe Betriebskosten (Energie, Abwasser, Pflege)
  • so gut wie keine baukulturelle Architektur möglich

Hofhaus:

Dieser Haustyp ist ziemlich in Vergessenheit geraten. Hat aber unheimlich viele Vorteile gerade für kleine Grundstücke, die unschlagbar sind.

Hofhäuser sind ein- oder zweigeschossige Häuser, die grenzständig gebaut sind, also mit mindestens einer Seite an der Grundstücksgrenze stehen. Sie bilden entweder mit eigenen Gebäudeteilen oder mit den Gebäudeteilen der Nachbargebäude einen oder mehrere Höfe.

Gerade bei Kleinstgrundstücken kommen freistehende Einfamilienhäuser an ihre Grenzen, da ein fast unnutzbarer Ring aus Abstandflächen um das Haus entsteht. Ein Reihenhaus mag aber auch nicht jeder, da dabei die Gartenbereiche direkt aneinander grenzen und sich dadurch Konfliktpotenziale aufbauen können . Wer also nur ein kleines Grundstück zur Verfügung hat und gerne für sich ist, für den ist das Hofhaus ideal. Da es aber so selten ist, haben die Bauämter und Architekten diesen Bautypus fast gar nicht mehr auf dem Schirm. Falls ihr euch also für ein solches Haus interessiert, empfehle ich einen Architekten zu suchen, der schon öfter Hofhäuser geplant und umgesetzt hat. Für die Genehmigungsfähigkeit ist grundsätzlich die Bebauung ohne Abstandflächen im Bebauungsplan notwendig. Zwar kann man auch ein Hofhaus als freistehendes Einfamilienhaus bauen, der Clou an diesem Haustyp wird dadurch aber ad absurdum geführt.

Für Baugruppenprojekte bietet sich dieser Gebäudetyp auch an. Da für diese Projekte des öfteren der Bebauungsplan auf die Bedürfnisse des Bauvorhabens angepasst wird, was für einen einzelnen Bauherren kaum möglich ist. Aber auch, weil es klare Rückzugsmöglichkeiten in einem privaten Außenbereich (Hof) gibt, wenn man keine Lust auf Kontaktaufnahme durch baugemeinschaftliche Mitstreiter hat.

Beim Hofhaus muss besonders auf die Belichtung des Hofbereichs geachtet werden. Der schönste Hof nützt nichts, wenn dort nur am 21. Juni die Sonne hinkommt, weil die umliegende Bebauung zu hoch bzw. der Hof zu klein ist. Dessen wird sich euer erfahrener Architekt aber bewusst sein.

Vorteile:

  • Extrem kleines Grundstück möglich
  • Faszinierende Belichtung, tolle Durchblicke möglich
  • Introvertierter Außenraum → Privatsphäre
  • Gut geeignet für Baugruppen

Nachteile:

  • Kann nur individuell vom Architekten geplant werden
  • Fehleranfällige Belichtung des Hofs
  • Hohes A/V-Verhältnis → Wärmeverluste
  • Schwierig passende Grundstücke zu finden

Fazit:

Ich hoffe, ihr könnt nun eher entscheiden, welche Häuser ihr euch bei der Hauskaufsuche eher anschaut oder wenn ihr bauen wollt, mit welchem Haustyp ihr euch für die Planung nun näher auseinandersetzt. Hinterlasst mir einen Kommentar! Was ist eure Meinung zu den verschiedenen Haustypen? Habe ich was wichtiges vergessen? Über konstruktive Kritik freue ich mich immer.