Tag Archives for " Einfamilienhaus "

Kinder ziehen aus…irgendwann – schon heute dran gedacht?

Nicht alle Lebensabschnitte brauchen das gleiche Haus!

Vielleicht kennt ihr das aus eurer eigenen Vergangenheit: Ihr seid in einem beschaulichen aber durchschnittlichen Einfamilienhaus aufgewachsen. Vielleicht war es immer ein bisschen eng, oder jeder hatte mehr als genug Platz und Raum. Egal! Die Situation ist trotzdem immer die gleiche, wenn alle Kinder ausgezogen sind: Plötzlich ist das Haus eigentlich zu groß. Besonders auffällig ist das natürlich wenn es mehr als zwei Kinder in der Familie gibt.

Dann ist die große Frage: wie damit umgehen? Behält jedes Kind sein altes Zimmer? Werden daraus Gästezimmer? Nutzen eure Eltern die Zimmer unterschiedlich, vielleicht als Fernseh-, Arbeits-, Fitness- oder Hobbyzimmer? Mit genügend Fantasie bekommt man die überzähligen Zimmer schon irgendwie umgenutzt, aber werden sie dann auch wirklich genutzt? Wie oft geht man zum Fernsehen in ein extra Zimmer? Braucht man wirklich ein Arbeitszimmer? Vorher hat man seine Büroarbeit ja auch woanders gut hinbekommen.

Zuviel ist zuviel

Egal, wie man die Zimmer auch umnutzt, es ist eigentlich immer ein Zuviel an Raum, der keinen Mehrwert liefert. Die Räume müssen renoviert, instandgehalten und geheizt werden ohne einen echten zusätzlichen Nutzen. Und eine der größten „Gefahren“ ist, dass die Räume im Laufe der Jahre zugestellt werden, weil „da ist ja noch Platz und wir nutzen den Raum sonst eh nicht…“

Die Eltern von einer Freundin mit drei Geschwistern haben ein riesiges Haus mit 5 Schlafzimmern. Ein Zimmer ist im Erdgeschoss und die anderen im Obergeschoss. Jetzt sind alle Kinder ausgezogen. Das Zimmer im Erdgeschoss ist ein Arbeitszimmer geworden, ein Zimmer im OG ist ein Gästezimmer und die anderen beiden Räume stehen leer. Eigentlich doch schade um den Platz, oder?

All das sind Gründe, warum ich ein Fan davon bin schon beim Hausbau oder wenn ihr kauft, beim Umbau daran zu denken, wie ihr den überzähligen Platz effektiv umnutzen könnt, wenn die Familie wieder schrumpft. Und vielleicht sogar noch etwas Geld damit verdient.

Einliegerwohnung

Eine elegante Methode, die überzähligen Räume, wieder als Kostenpunkt loszuwerden, ist daraus eine Einliegerwohnung zu machen.

So hat es meine Oma gemacht: Meine Oma hat fünf Kinder, natürlich hatten alle auch ein Zimmer. Zunächst hat sich einer meiner Onkel das Dachgeschoss ausgebaut, um dort für ein paar Jahre zu leben, bevor er selbst gebaut hat. Damit war der Grundstein für die Nutzung als Zweifamilienhaus bereits gelegt und mittels einer Außentreppe war auch die Erschließung kein Problem. Als dann mein Opa gestorben war, brauchte meine Oma auch das Obergeschoss nicht mehr. Sie baute sich das Erdgeschoss zu einer geräumigen Wohnung um und hat sogar trotzdem noch ein Gästezimmer. Das Obergeschoss und das Dachgeschoss wurden zu einer großen Maisonette-Wohnung verbunden und an eine Familie mit zwei Kindern vermietet. Mittlerweile wohnt diese Familie auch schon seit über zwanzig Jahren in dem Haus. Deren Kinder sind auch schon ausgezogen, es ist aber so eine schöne Symbiose, dass sie wohl bleiben werden bis auch meine Oma nicht mehr lebt. Die Mieter kümmern sich um den großen Garten, was meine Oma nicht mehr kann und haben immer ein Auge auf sie, sodass sie sich nie alleine fühlt in dem großen Haus. Das ist wirklich eine Erfolgsgeschichte. Vom finanziellen Nutzen mal ganz abgesehen.

Wenn ihr also in eurem Haus alt werden und später nicht allein sein wollt, gibt es für eine Einliegerwohnung folgende Dinge zu beachten:

  • Plant die Kinderzimmer so, dass sie später leicht als Einliegerwohnung abtrennbar sind.
  • Sprecht euren Architekten schon beim ersten Gespräch darauf an, dass diese Möglichkeit gegeben sein soll.
  • Plant ein Kinderbadezimmer ein, das später der Wohnung zugeteilt wird.
  • Richtet in einem der Kinderzimmer bereits Leitungen für eine spätere Küche vor.

Wenn ihr nicht wollt, dass dauerhaft jemand Fremdes bei euch im Haus wohnt und vielleicht auch Teile des Gartens mitnutzen möchte, bietet eine Einliegerwohnung dennoch tolle Möglichkeiten:

  • Übergangswohnung für eines der Kinder
  • Altenteil für eure Eltern
  • möblierte Wohnung zum Vermieten auf Zeit, auf AirBnB; je nachdem wo ihr wohnt an einen Wochenpendler, der am Wochenende nach Hause fährt.

Übergangsanbau

Gerade, wenn ihr auf der Suche nach gebrauchten oder vielleicht sogar historischen Häusern seid, oder ihr habt ein Haus geerbt, dann ist oft die mangelnde Größe das Problem. Viele alte Häuser sind mit 90-110m² einfach zu klein für ein angenehmes zeitgemäßes Wohnen mit einer Familie. Da diese Einschränkung aber für alle Immobilien suchenden Familien gilt, sind diese Häuser oft auch recht günstig. Es lohnt sich also darüber nachzudenken ein kleines altes Haus zu kaufen, es umzubauen und mit einem Anbau zu versehen. Das hat aber wenn die Kinder ausgezogen sind, die gleichen Konsequenzen wie oben zur Folge.
Die Lösung ist ein Anbau auf Zeit. Mit der mobilen, modularen Architektur von z.B. Cubig könnt ihr einen individuellen Anbau erstellen, der dann später auch als Einliegerwohnung fungiert oder wieder abgebaut wird. Da diese Häuser modular konstruiert sind, kann man sie einfach wieder demontieren, verkaufen oder an anderer Stelle wieder aufbauen. Dann habt ihr wieder das Kernhaus für euch und die Wohnfläche ist ideal für zwei.
Weitere Informationen findet ihr auf Cubig.com (ich bekomme nichts für diese Empfehlung, ich bin einfach nur von dem Produkt überzeugt!)

Haus verkaufen oder vermieten

Ein immer stärker werdende Tendenz ist der Trend hin zum „Lebensabschnittshaus“. Viele planen gar nicht mehr mit den Füßen zuerst das letzte Mal das Haus, was sie heute bauen, zu verlassen. Sie sind sich darüber bewusst, dass es je nach Lebensphase auch unterschiedliche Bedürfnisse an das Wohnen gibt. Also planen sie heute ein Haus zu bauen oder zu kaufen, was heute auf ihren Bedarf zugeschnitten ist. Morgen, wenn die Kinder ausgezogen sind, brauchen sie ein anderes Haus in einer anderen Umgebung. Also wird das Familienhaus verkauft oder vermietet und ein neues Haus bezogen, was für den neuen Bedarf ideal ist.

Ich finde diese Variante mit der geänderten Familiensituation umzugehen auch sehr charmant, weil man sich neu orientiert. Gerade für die Mütter kann es sehr heilsam sein, sich durch den Tapetenwechsel wieder mehr auf sich zu besinnen und vielleicht auch sonst nochmal ganz neue Wege zu beschreiten und sich von der behütenden Mutterrolle zu verabschieden.

Wenn ihr diese Möglichkeit für euch favorisiert, dann beachtet bitte schon heute bei der Planung folgendes, um den Verkaufswert in Zukunft möglichst hoch ansetzen zu können:
versucht möglichst zeitlos zu planen; zu verkitschte Lösungen mindern den Wert eures Hauses
plant mit hochwertiger Architektur; 08/15 Häuser wird es in 15 oder 20 Jahren massenweise zu kaufen geben (vermutlich ist der Immobilienboom dann vorbei)
Sucht die Lage noch bedachter aus, als sowieso schon. Von Neubaugebieten und sehr ländliche Regionen rate ich aus Erwägungen zum Immobilienwert eher ab.

Elternteil zieht ein

Die Einliegerwohnung ist für noch fitte Eltern eine super Möglichkeit. Ist es nun aber der Fall, dass bereits ein Elternteil verstorben ist und der Andere nicht mehr gut alleine zurecht kommt, könnt ihr (Schwieger-)Mama oder (Schwieger-)Papa bei euch im Haus(-halt) aufnehmen. Das muss natürlich von der familiären Konstellation her passen! Das ist ja auch eine Sache, die ihr heute noch nicht planen könnt. Aber vielleicht ändert sich etwas am geplanten Szenario, z.B. dasletzte Kind zieht einfach nicht aus, weshalb die Einliegerwohnung nicht abgetrennt werden kann, oder ihr fühlt euch da jetzt so wohl, dass ihr doch nicht mehr verkaufen wollt und nun zu viel Platz habt. Wird dann ein Elternteil pflegebedürftig, habt ihr zumindest die Möglichkeit der häuslichen Pflege.

Ihr werdet in dem Haus alt

Außer bei der Variante des Hausverkaufs ist das ja bei allen genannten Möglichkeiten der Fall. Dazu möchte ich euch im Speziellen aber auch noch einige Hinweise geben, wie ihr schon heute an morgen denken könnt. Sich mit dem eigenen Alter und körperlichen Gebrechen auseinander zu setzen ist nie schön. Um aber das Geld eurer Zukunfts-Ichs zu sparen, macht es unbedingt Sinn ein paar Dinge schon jetzt mit einzuplanen.

  • Ebenerdige Erschließung: wenn es wegen dem Geländeverlauf auf dem Grundstück nicht unbedingt sein muss, plant keine Stufen zum Eingang!
  • Türbreiten: plant Türen, die mindestens eine Standardbreite von 88,5 cm haben. Das ist zwar nicht behindertengerecht, aber mit einem Rollator kommt man da bequem durch. Wollt ihr rollstuhlgerecht planen, müssen die Türbreiten schon 1,01 m sein.
  • Rollatorgerechtes Badezimmer: Plant nicht nur ein Gäste-WC im Erdgeschoss ein, sondern ein vollwertiges Badezimmer mit ebenerdige Dusche und genügend Platz, dass das Bad auch zwei benutzen können.
  • Zusätzliches Zimmer im Erdgeschoss, das ihr später als Schlafzimmer nutzen könnt.

Wie gingen eure Eltern mit eurem Auszug um? Würdet ihr es anders machen? Braucht ihr noch mehr Infos zum architektonischen Berücksichtigen der verschiedenen Lebenssituationen? Schreibt mir gerne in die Kommentare!

Ihr habt jetzt kleine Kinder und wollt wissen, wie ihr auch für sie das Ideale aus dem neuen Haus herausholen, dann sind diese beiden Blogartikel genau das richtige für euch:

Hausbau mit Kindern

Haus Bauen mit Kindern – Spaß statt Stress

Wer wünscht sich nicht, dass seine Kinder idyllisch im eigenen Garten spielen können?

In der Familiengründungsphase zu bauen ist ein günstiger Zeitpunkt: Man hat durch einige Jahre im Berufsleben schon einiges Eigenkapital aufgebaut und wegen dem Familienzuwachs müsste man sowieso umziehen, da der Leidensdruck in der Mietwohnung einfach zu groß wird. Darüber hinaus möchte man sich nach Jahren in einer Mietwohnung auch mal gestalterisch austoben. Und ihr (und die Kinder) habt am meisten vom Eigenheim, wenn ihr mit möglichst kleinen Kindern baut oder kauft.

Karriere – Haus – Kinder

Das ist doch die ideale Reihenfolge, oder? Meistens läuft das Leben aber nicht strikt nach Plan. Nicht jeder ist in der luxuriösen Situation den Nestbau vor dem Kinderkriegen abzuschließen. Ein Großteil der Bauherren, die ein Eigenheim bauen, haben bereits Kinder. Die Sorge ist dann schnell da, ob man den Hausbau mit ein oder zwei Kindern überhaupt schafft. Kinder bilden doch einen zusätzlichen Stressfaktor beim Hausbau, oder?

Lies weiter, damit du lernst, wie schön und lustig das Bauen mit Kindern sein kann!

Wie immer ist alles eine Frage der Einstellung und der Organisation. Wenn ihr z. B. der Meinung seid, dass Kinder nicht auf die Baustelle gehören, dann wird es bestimmt schwierig eine dauerhafte Betreuungsmöglichkeit während der Bauphase zu finden. Dann muss Mama vielleicht mit den Kindern in der alten Wohnung bleiben und kann nicht mithelfen, und irgendwann wird Papa knatschig, weil er sich mit der Baustellenarbeit im Stich gelassen fühlt.
Also nicht vergessen: Macht euch vor dem Bau klar, welche Vorstellungen und Erwartungen ihr habt und gleicht sie mit eurem Partner ab. So könnt ihr schon früh sicherstellen, dass später kein Frust entsteht.

Bauen mit Kindern? Nicht nur an die Baustelle denken!

Zunächst muss das Haus aber mal geplant werden. Achtet dabei in eurem und dem Interesse der Kinder auf folgende drei Dinge:
1. Die Kinder können und sollten, je nach Alter, in den kreativen Entstehungsprozess des Hauses und des Grundrisses mit eingebunden werden.
2. Die Belange und besonderen Bedürfnisse der Kinder müssen berücksichtigt werden.
3. Denkt schon in der Planungsphase darüber nach, was mit dem Mehr an Raum passiert, wenn die Kinder mal ausgezogen sind.
Das ist neben euren eigenen Ideen und Vorstellungen vom neuen Haus ganz schön viel! Es lohnt sich aber die Kinder aktiv mit einzubeziehen und kindgerecht zu planen. Wenn sie sich mit dem neuen Haus identifizieren können, geht die Planungs- und Bauphase für alle Familienangehörigen stressfreier über die Bühne.

Gimme Money – Förderungen

Auch in finanzieller Hinsicht lohnt sich das Bauen mit Kindern. Viele Kommunen und auch andere Institutionen bieten Förderungen für Familien mit Kindern an, die sich am jeweiligen Standort ansiedeln. Oft spielt das Einkommen auch eine Rolle. So werden besonders einkommensschwache Familien gefördert. Bei den Förderungen von Kommunen handelt es sich meist um Anreizförderungen in ländlichen Regionen.
Die Förderungen umfassen sowohl Nachlässe beim Kauf von Gemeindegrundstücken je Kind, zinsgünstige Kredite und Zuschüsse. Selbst ungeborene Kinder können bei einigen Förderprogrammen mit berücksichtigt werden.

Die Fördermöglichkeiten können sich nach Bundesland und Kommune sehr stark unterscheiden, deshalb findet ihr am Ende des Artikels einen Link zu Datenbankseiten über Fördermöglichkeiten in eurem Ort.

Stressfaktor Kinder

Der Bau eines Eigenheims ist immer eine Ausnahmesituation. Wahrscheinlich werden sich Sorgen, Vorfreude, Leistungsdruck, Stress usw. nie mehr in eurem Leben so häufen, wie in dieser Zeit. Dass ihr euch auch noch um die Kinder kümmern müsst, macht das Ganze nicht leichter. Umso wichtiger ist es, dass ihr euch gut auf diese Zeit vorbereitet habt. (Holt euch als ersten Schritt die große Checkliste VOR dem Hausbau)
Diese Tipps helfen euch die anstrengende Zeit zu meistern:

  • Den Kindern erklären, dass es eine schwere Zeit ist, die auch wieder vorbei geht.
  • Ihnen erklären, dass sie durch Gehorsam (oh Gott das hört sich schrecklich an, aber so ist es doch!) aktiv zur Entspannung der Situation beitragen können.
  • Den Kindern versichern, dass sie (meistens ;-)) nicht an eurer Gereiztheit schuld sind.
  • Kurbelt die Vorfreude auf das neue Haus an. Z.B. indem ihr euch statt der gute Nacht Geschichte gemeinsam schöne Situationen in dem Haus ausmalt.
  • Wenn ihr die Möglichkeit habt, entlastet euch so oft es geht und lasst die Kinder während der Bauphase bei Oma und Opa.
  • Bezieht die Kinder in die Planung und auf der Baustelle mit ein.
  • Eure Partnerschaft pflegen!!! Nehmt euch Zeit für die Partnerschaft, geht ohne Kinder Essen, macht ab und zu ruhige Abende, wo nicht über den Bau gesprochen wird.

Wenn ihr noch weitere Tipps habt, wie man die Überlastung in einer Bauphase mit Kindern abfedern kann, dann schreibt sie mir gerne in den Kommentaren.

Kinder mit in die Planung einbeziehen

Kinder sind kreativ. Das solltet ihr nutzen! Wenn ihr am Wochenende über euren Skizzen und Plänen brütet, erklärt den Kindern unbedingt, was ihr da macht und worum es geht. Schließt sie bitte nicht aus! Sonst entwickeln sie eine Trotzhaltung gegen das Haus und sie können sich nicht so gut damit identifizieren. Bietet den Kindern ein gewisses Mitspracherecht an. Dafür ist es unerlässlich, dass ihr sie von Beginn an mit einbezieht und ihr sie nicht vor vollendete Tatsachen stellt.
Möglichkeiten eure Kinder mit entwerfen zu lassen:

  • Lage und Größe des Kinderzimmers,
  • Möblierung des Kinderzimmers,
  • Gestaltung eines separaten Spielbereichs (ermöglicht kleinere Kinderzimmer).
  • Bei einem gemeinsamen Kinderzimmer: Lage der persönlichen Bereiche.
  • Wenn es ein eigenes Kinderbadezimmer geben soll: Aufteilung des Badezimmers.
  • Wenn die Kinder Fragen haben, die ihr von der technischen Seite her nicht beantworten könnt, dann nehmt die Kinder auch ruhig mal mit zum Architektengespräch und lasst sie die Frage dem Architekten stellen.

Bei allem anderen, was eure Bereiche angeht, kann man sie bei dem ein oder anderen Detail auch um eine Meinung bitten. „Soll der Tisch besser quer oder längs stehen?“

In Diskussionen um Entwurfsvarianten empfiehlt es sich, dass ihr den Kindern die Varianten und die Unterschiede erklärt (so setzt ihr euch auch selbst intensiv mit den Möglichkeiten auseinander) und sie dann nach dem Favoriten fragt. Wenn ihr euch dann gegen den Favoriten der Kinder entscheidet, erklärt ihnen bitte, warum ihr so entschieden habt und welche entscheidenden Vorteile der gewählte Entwurf hat. So erlernen sie Kompromissfähigkeit, die bei dem Bau eures Einfamilienhauses unerlässlich ist!

Kinder auf der Baustelle

Oft wollen Kinder aktiv helfen. Das solltet ihr fördern und nicht mit ständigen Ermahnungen ausbremsen. Größere Kinder können schon einfache Aufgaben erledigen z.B. Steine aufstapeln, Sand in eine Schubkarre schaufeln (wenn es nicht schnell gehen muss), den Bürgersteig kehren, einen LKW „einweisen“, Werkzeuge holen usw. eurer Fantasie sind da keine Grenzen gesetzt, vorausgesetzt die Aufgaben sind körperlich nicht zu anstrengend, erfordern weder Fachkenntnis noch zu großes Geschick und müssen nicht schnell gehen. Wenn das Kind dann von euch die Anerkennung bekommt, dass seine Arbeit ein wertvoller Beitrag zum Hausbau war, dann wird es sich mit Elan und Ausdauer beteiligen.

Kleinkinder können aber auch mitmachen. Gebt ihnen Kinderwerkzeuge in die Hand oder ungefährliches echtes Werkzeug und gebt auch den Kleinen Aufgaben. Sie können zum Beispiel Schrauben „nachziehen“, mit dem Spielzeugbagger Sand hin und her bewegen oder auch einfach nur mal Zuschauen, wie Papa mit der lauten Bohrmaschine Löcher bohrt.

Bei den kleineren Kindern (ca. 2,5 bis 6 Jahre) dürft ihr natürlich keine allzu große Ausdauer erwarten, aber wenn ihr ihnen immer mal wieder eine andere Aufgabe gebt, sind sie vielleicht auch ein paar Stunden beschäftigt. Wichtig ist, dass ihr ihnen klare und einfache Anweisungen gebt. Zwischendurch dürfen sie dann auch ruhig mal spielen. Denkt dafür bitte daran Spielsachen mitzunehmen, die auch dreckig werden dürfen.

Außerdem: Die Bauphase ist auch ideal, um mit den Nachbarskindern in Kontakt zu kommen.

Sicherheit geht vor

Bei allem Spaß an der Arbeit: Sicherheit geht vor. Wenn ihr selbst auch mit Hand anlegt, könnt ihr mit den Augen nicht überall sein, deshalb sollten alle Gefahrenquellen möglichst ausgeschlossen oder minimiert werden.

  • Die provisorischen Treppengeländer so herstellen lassen, dass auch die Kleinen sicher die Treppe gehen können.
  • Gleiches gilt für alle anderen Absturzsicherungen an Galerien, bodentiefen Fenstern, Balkonen etc.
  • keine Teppichmesser und andere spitze Gegenstände herumliegen lassen.
  • Elektrischen Geräte, wie Bohrmaschinen, Schleifgeräte, Flex oder Stemmhammer müssen nach Gebrauch immer ausgesteckt werden.
  • Nehmt die Kinder nur mit zur Baustelle, wenn keine Handwerker da sind. Sonst müsst ihr auch noch darauf achten, dass die Bauarbeiter sich kindersicher verhalten.
  • Nehmt vielleicht Oma und Opa als zusätzliche Augenpaare mit auf die Baustelle, damit die Kinder reihum „bewacht“ werden können.

Grundsätzlich sollten die Kinder, wenn sie auf die Baustelle mitgenommen werden, entweder in einem Alter sein, wo sie noch im Kinderwagen, Maxi Cosi oder Tragetuch bleiben können (bis ca. 9 Monate) oder so verständig sein, dass man ihnen Sachen erklären kann (ab ca. 2,5 Jahren). Sie sollten sich darüber bewusst sein, dass es auf einer Baustelle gefährlich ist und sie auf die Eltern hören müssen. Das bedeutet, dass Krabbelkinder und Kinder unter 2,5 Jahren auf einer Baustelle niemals aus den Augen gelassen werden dürfen. Das variiert altersmäßig natürlich. Nur ihr könnt einschätzen, wie weit euer Kind ist.

Die Risiken für die eigenen Kinder und die eigene Sicherheit bei Eigenleistungen können zwar nicht versichert werden. Dennoch rate ich zu einer Bauherrenhaftpflichtversicherung. Damit werden Personenschäden an Dritten abgesichert, für die ihr sonst ein Leben lang haften müsstet. Auch Sachschäden z.B. an Nachbarhäusern oder parkenden Autos sind darüber versichert.

Hier nun, wie versprochen, die Übersicht der Fördermöglichkeiten.
Wenn ihr noch Fragen habt, wie ihr eure Kinder vernünftig miteinbezieht, dann meldet euch gerne über die Kommentare.
In Kürze kommt der Blogartikel „Bauen für Kinder“. Darin geht es darum, welche Belange und Bedürfnisse Kinder für ihre Zimmer und die gemeinschaftlich genutzten Bereiche haben.
Im Übrigen weiß ich, wovon ich spreche. Ich bin selbst Mama eines 3 Jährigen Energiebündels namens Karl und Ende Mai kommt das Zweite 🙂

Haustypen, Hausarten

Wie Ihr den richtigen Haustyp für Euch findet!

Lesedauer: ca. 6 Minuten

Zu faul zum Lesen? Komm ich les' es Dir vor 🙂

Insert Video

Welcher Haustyp passt zu Euch?

Wollt ihr demnächst ein Haus kaufen oder bauen? Ihr wisst aber überhaupt nicht wie ihr filtern sollt, da ihr die Vor- und Nachteile der einzelnen Haustypen nicht kennt? Dann seid ihr hier richtig. In diesem Blogbeitrag erkläre ich euch, welche Haustypen es gibt, was jeweils gut und weniger gut daran ist und was es noch bei der Auswahl des Haustyps zu beachten gibt. 

Haustypen:

freistehendes Einfamilienhaus:

Der wohl beliebteste Haustyp ist des freistehende, anderthalb bis zweistöckige Einfamilienhaus. Man hat vermeintlich viel Platz und hat einen Abstand zum Nachbarn. Dadurch kann man doch viel eher tun und lassen was man will, als bei einem Reihenhaus, oder? Es ist aber auch teurer. Zum einen ist das Grundstück größer und damit kostet es in Anschaffung und Pflege auch mehr. Zum anderen müsst ihr an allen Seiten des Hauses eine Fassadenverkleidung mit Dämmung anbringen. Wenn ihr kauft ist vielleicht eine nachträgliche Dämmung des Hauses nötig. Bei einem freistehenden Einfamilienhaus (EFH) kommen da um einiges mehr Quadratmeter zusammen, als bei einem Reihenhaus mit nur zwei Außenwänden.

Aber auch im Unterhalt sind freistehende EFHs teurer als beispielsweise Reihenhäuser. Da spielt auch wieder das größere Grundstück eine Rolle für die Pflege und Instandhaltung der Flächen. Außerdem kostet jeder qm versiegelte Fläche bei den Abgaben für die Entwässerung mehr. Die Energiekosten sind bei vergleichbarer technischer Ausstattung auch höher, da über alle vier Außenwandseiten Wärme verloren wird. Wenn ihr also extrem aufs Geld schauen müsst, dann ist ein freistehendes EFH wahrscheinlich nicht die beste Idee, da nicht nur das Grundstück und die (Um-)Baukosten höher sind, sondern auch die laufenden Kosten. Was Gestaltungsmöglichkeiten, persönliche Freizeitentfaltung und Freiheitsgefühl angeht, ist das freistehende EFH aber unschlagbar.

Vorteile:

  • große Gestaltungsfreiheit
  • Abstand zum Nachbarn
  • meistens größerer Garten
  • Garage oder Stellplatz am Haus
  • Belichtung aller Räume unproblematisch

Nachteile:

  • Grundstück muss größer sein und ist damit teurer
  • höhere Baukosten durch mehr Außenwandfläche
  • höhere Betriebskosten (Energie, Abwasser, Pflege)
  • meistens weniger attraktive Lagen in Vororten und auf dem Land

Reihenhaus:

Reihenhäuser sind meist sehr stadtnah gelegen. Das ist ein großer Vorteil, wenn man gerne stadtnah wohnen möchte oder muss. Dadurch können sie aber auch schnell teurer werden als so manch ländlich gelegenes Einfamilienhaus. Es kann also sein, dass ein Reihenhaus, was euren Ansprüchen genügt, genau soviel kostet, wie ein freistehendes EFH im Vorort mit 30m² mehr Wohnfläche, mit 450 m² mehr Grundstück und vielleicht sogar noch ein besserer Bauzustand. ABER: Innenstadt nahe Lagen bleiben attraktiv und ihr werdet garantiert an diesem Haus keinen Verlust machen (Es sei denn es ist schon ein Blasenpreis). 

Ein Nachteil der Reihenhäuser ist die meist fehlende Garage und oft gibt es nicht einmal einen Stellplatz am Haus. Mitunter sind Reihenhäuser an Stichwegen angeordnet. Dort könnt ihr das Haus nicht mit dem Auto erreichen.

Wer ein Reihenhaus in Betracht zieht sollte mit nachbarschaftlichen Geräuschen keine Probleme haben sowie bereit sein, sich rücksichtsvoll zu verhalten. Der Schallschutz wird zwar immer besser, einen vollständige Schallschutz vom Nachbarn gibt es bei Reihenhäusern allerdings nicht. Gleiches gilt für die Gartennutzung. Die Terrassen grenzen aneinander und bei schönem Wetter möchte der Nachbar sich vielleicht in Ruhe sonnen und ihr wollt eine Grillparty veranstalten. Da ist kommunikatives Geschick und gegenseitiges Wohlwollen gefragt.

Vorteile:

  • günstige Ausnutzung des Grundstücks durch grenzständige Bebauung
  • meist innenstadtnahe Lage –> wertstabil
  • günstige Baukosten durch nur zwei Außenwände
  • weniger Energieverbrauch als beim freistehenden Haus

Nachteile:

  • wegen guter Lage höhere Quadratmeterpreise
  • oft kein Stellplatz am Haus
  • meistens weniger Wohnfläche
  • gemeinsame Wände mit den Nachbarn

Doppelhaus(hälfte):

Die Doppelhaushälfte ist sozusagen der Hybrid aus freistehend und Reihenhaus. Mit allen Vor- und Nachteilen der jeweiligen Kategorie. Einen gravierenden Nachteil haben Doppelhaushälften: Wenn Doppelhäuser den Besitzer wechseln, hat das leider oft eine haarsträubende Architektur zur Folge. Die Häuser werden normalerweise in einer architektonischen Einheit entworfen und gebaut, das muss aber leider nicht immer so bleiben. So sieht man z.B. oft Doppelhäuser, wo das eine geklinkert das andere verputzt ist. Das eine hat eine 20 cm dicke Dämmung aufgebracht, das andere nicht. Das eine Haus hat rote Fenster das andere blaue.

Hinzu kommt das Konfliktpotenzial durch die gemeinsame Gebäudetrennwand. Meistens kann man sich seine Nachbarn nun mal nicht aussuchen. Jetzt fragt ihr euch sicher: aber bei Reihenhäusern ist das doch auch so, nur noch schlimmer, da man meistens zwei direkte Nachbarn hat. Ja, ihr habt beim Reihenhaus zwei direkt angrenzende Nachbarn, aber ihr geht da ja auch mit der Einstellung rein, mit beiden Nachbarn gut klar zu kommen. Bei den jeweiligen Nachbarn ist es (hoffentlich) genauso. Bei einer Reihenhauszeile müssen alle irgendwie miteinander auskommen. Beim Doppelhaus ist es aber nur einer, an dem man sich reiben kann. Die tolerante Grundhaltung ist beim Doppelhaus ganz einfach nicht so stark ausgeprägt, wie beim Reihenhaus. 

Vorteile:

  • Kompromiss für den Geldbeutel aus freistehendem Haus und Reihenhaus
  • meistens recht großer Garten möglich
  • sowohl häufig innenstadtnah als auch ländlich vertreten

Nachteile:

  • unberechenbare Entwicklung der Architektur durch zwei Eigentümer
  • oft schwierige Nachbarschaft durch gemeinsame Wand

Bungalow:

Bungalows haben die gleichen Vorteile wie mehrstöckige freistehende Einfamilienhäuser. Das große Grundstück, der Abstand zu den Nachbarn, die gute Belichtung aller Bereiche im Haus. Allerdings sind die Nachteile der freistehenden EFHs auch noch gravierender. Da die ganze Wohnfläche auf einer Ebene untergebracht ist, ist auch das A/V- Verhältnis (Wärmeübertragende Hüllfläche im Verhältnis zum beheizten Gebäudevolumen) schlechter. Die Bodenplatten- und Dachfläche ist größer und darum deutlich teurer. Ihr verbraucht mehr Fläche, weshalb ihr für die gleiche Gartengröße, wie beim mehrstöckigen EFH ein größeres Grundstück braucht.

Der eine unschlagbare Vorteil ist aber die Ebenerdigkeit. Besonders, wenn ihr auf Barrierefreiheit Wert legt und schon für euer Alter mit plant, kann sich ein Bungalow anbieten. Über die Architektur von Bungalows, egal ob mit Flachdach oder mit einem geneigten Dach lässt sich jedoch streiten. Sie finden hierzulande eigentlich keine Entsprechung in einem regionalen Baustil. Wenn ihr aber eigentlich nur an dem Vorteil der Ebenerdigkeit interessiert seid, müsst ihr nicht zwangsläufig einen Bungalow bauen. Warum nicht noch eine Einliegerwohnung mit einplanen, die dann oben ist und so eine ortstypische Architektur ermöglicht und nebenbei noch Mieteinnahmen generiert?

Noch ein wichtiger Punkt bei Bungalows, der noch sehr wenig Beachtung findet: Die Dachterrasse: Im innerstädtischen Raum gibt es sie oft, aber bei Einfamilienhäusern als Bungalow sieht man sie noch selten. Ein Flachdach bietet als Aufenthaltsbereich ein riesiges Potenzial. Damit habt ihr nämlich einen Garten in zwei Zonen, ein Sonnendeck mit einem tollen Ausblick und den „normalen“ Garten. Außerdem gut für den Geldbeutel: Das Grundstück könnte ohne Flächeneinbußen beim Außenraum viel kleiner sein.

Vorteile:

  • Ebenerdigkeit, Barrierefreiheit
  • Möglichkeit eines Dachgartens
  • große Gestaltungsfreiheit
  • Abstand zum Nachbarn
  • Garage oder Stellplatz am Haus
  • Belichtung aller Räume unproblematisch

Nachteile:

  • Grundstück muss noch größer sein als beim mehrgeschossigen EFH
  • rel. hohe Baukosten durch mehr Außenwand-, Boden- und Dachfläche
  • rel. hohe Betriebskosten (Energie, Abwasser, Pflege)
  • so gut wie keine baukulturelle Architektur möglich

Hofhaus:

Dieser Haustyp ist ziemlich in Vergessenheit geraten. Hat aber unheimlich viele Vorteile gerade für kleine Grundstücke, die unschlagbar sind.

Hofhäuser sind ein- oder zweigeschossige Häuser, die grenzständig gebaut sind, also mit mindestens einer Seite an der Grundstücksgrenze stehen. Sie bilden entweder mit eigenen Gebäudeteilen oder mit den Gebäudeteilen der Nachbargebäude einen oder mehrere Höfe.

Gerade bei Kleinstgrundstücken kommen freistehende Einfamilienhäuser an ihre Grenzen, da ein fast unnutzbarer Ring aus Abstandflächen um das Haus entsteht. Ein Reihenhaus mag aber auch nicht jeder, da dabei die Gartenbereiche direkt aneinander grenzen und sich dadurch Konfliktpotenziale aufbauen können . Wer also nur ein kleines Grundstück zur Verfügung hat und gerne für sich ist, für den ist das Hofhaus ideal. Da es aber so selten ist, haben die Bauämter und Architekten diesen Bautypus fast gar nicht mehr auf dem Schirm. Falls ihr euch also für ein solches Haus interessiert, empfehle ich einen Architekten zu suchen, der schon öfter Hofhäuser geplant und umgesetzt hat. Für die Genehmigungsfähigkeit ist grundsätzlich die Bebauung ohne Abstandflächen im Bebauungsplan notwendig. Zwar kann man auch ein Hofhaus als freistehendes Einfamilienhaus bauen, der Clou an diesem Haustyp wird dadurch aber ad absurdum geführt.

Für Baugruppenprojekte bietet sich dieser Gebäudetyp auch an. Da für diese Projekte des öfteren der Bebauungsplan auf die Bedürfnisse des Bauvorhabens angepasst wird, was für einen einzelnen Bauherren kaum möglich ist. Aber auch, weil es klare Rückzugsmöglichkeiten in einem privaten Außenbereich (Hof) gibt, wenn man keine Lust auf Kontaktaufnahme durch baugemeinschaftliche Mitstreiter hat.

Beim Hofhaus muss besonders auf die Belichtung des Hofbereichs geachtet werden. Der schönste Hof nützt nichts, wenn dort nur am 21. Juni die Sonne hinkommt, weil die umliegende Bebauung zu hoch bzw. der Hof zu klein ist. Dessen wird sich euer erfahrener Architekt aber bewusst sein.

Vorteile:

  • Extrem kleines Grundstück möglich
  • Faszinierende Belichtung, tolle Durchblicke möglich
  • Introvertierter Außenraum → Privatsphäre
  • Gut geeignet für Baugruppen

Nachteile:

  • Kann nur individuell vom Architekten geplant werden
  • Fehleranfällige Belichtung des Hofs
  • Hohes A/V-Verhältnis → Wärmeverluste
  • Schwierig passende Grundstücke zu finden

Fazit:

Ich hoffe, ihr könnt nun eher entscheiden, welche Häuser ihr euch bei der Hauskaufsuche eher anschaut oder wenn ihr bauen wollt, mit welchem Haustyp ihr euch für die Planung nun näher auseinandersetzt. Hinterlasst mir einen Kommentar! Was ist eure Meinung zu den verschiedenen Haustypen? Habe ich was wichtiges vergessen? Über konstruktive Kritik freue ich mich immer.

Bauen im Neubaugebiet

Warum bauen im Neubaugebiet eine schlechte Idee ist

Überlegt euch gut, ob ihr wirklich im Neubaugebiet bauen wollt

Bauen im Neubaugebiet liegt schon seit Jahrzehnten im Trend. Warum das so ist, liegt klar auf der Hand: Ein Neubaugebiete wird (wie der Name schon sagt) komplett neu geplant – von den Straßen bis zur Anbindung an öffentliche Netze. Dadurch könnt ihr euch dort selbst verwirklichen und müsst keine Kompromisse eingehen. Die nachbarschaftliche Gemeinschaft könnt ihr mit gestalten. Ihr müsst euch nicht irgendwo in einer vorhandenen Nachbarschaft integrieren. Ihr seid eher unter Gleichgesinnten, hauptsächlich Familien mit Kindern. Außerdem gibt es in eurer neuen Nachbarschaft vermutlich weniger Singles oder alte Leute, die sich von Kinderlärm gestört fühlen könnten. Doch dass auch Neubaugebiete ihre Fallstricke haben, zeigt euch die Geschichte von Annika und Christoph.

Annika und Christoph: Wie das Häuschen auf der grünen Wiese zur Zerreißprobe wurde

Es ist 2011. Annika und Christoph suchen seit zwei Jahren ein Eigenheim. Prinzipiell sind sie sowohl offen für Altbauten als auch für‘ s Neubauen. Bisher haben sie aber noch nicht das richtige gefunden. Weder die Grundstücke, die sie sich angeschaut haben, passten zu ihren Vorstellungen, noch bei gebrauchten Häuser sprang der Funke über. Außerdem wurde alles immer teurer.

Doch dann wurde in Annikas Heimatgemeinde ein Neubaugebiet ausgewiesen. Annika und Christoph schauen sich den Acker an und studieren den Bebauungsplan.

Alles schien perfekt

Annika war sich sicher, dass sie nun den richtigen Bauplatz gefunden hatten. Christoph ist noch nicht überzeugt. Als er aber merkt wie euphorisch und glücklich seine Frau bei den Gedanken an dieses Grundstück ist, willigt er ein. Er möchte eigentlich näher an der Stadt bleiben, lässt sich aber von Annikas Vorfreude anstecken. Ihm ist Individualismus sehr wichtig und er hat im Bebauungsplan gesehen, dass es kaum Vorgaben zur Bebauung gibt. Christoph mag Flachdächer und als er gemerkt hat, dass die Dachform frei wählbar ist, konnte er sich auch vorstellen, dort ihr gemeinsames Traumhaus entstehen zu lassen.

Sie kauften also ein Grundstück im Neubaugebiet. Sie waren bei den ersten Käufern. Nach einigem Überlegen einigten sie sich auf ein modernes Massivhaus mit Flachdach eines Fertighausherstellers. Der Bau klappte zu ihrer großen Erleichterung bis auf Kleinigkeiten gut. Ein Jahr nachdem sie dort auf dem Acker gestanden hatten, zogen sie ein. Ihr Glück schien perfekt. Nun konnten Kinder kommen.

Schmutz, Baulärm und architektonisches Chaos

Nach einigen Monaten ließen die Glücksgefühle spürbar nach. Annika putzte nur noch, weil rundherum noch Baustellen waren und die Straße noch nicht fertig angelegt war. Die Nachbarn, die einen Monat vorher fertig geworden waren, sind irgendwie seltsam. Die tägliche Pendelei zur Arbeit in die Stadt nervt Christoph kolossal, da es sich jeden morgen staut. Annika hat zum Glück eine neue Stelle in der nahen Umgebung gefunden. Es ist noch so viel zu tun am Haus und vor allem im Garten. Aber es lohnt sich noch nicht mit der Gartengestaltung anzufangen. Zwar ist ihre Straße jetzt fertig gebaut, aber ein Großteil des Neubaugebiets ist noch eine riesige Baustelle. Im Garten kann man sich wegen des Baulärms also nicht aufhalten.

Annika und Christoph schlucken ihren Ärger runter und sprechen sich gegenseitig Mut zu, dass es eine Oase wird, wenn erst mal alles fertig ist.

Ein weiteres Jahr später, es ist mittlerweile 2014, bemerken sie etwas, das sie vorher nicht bedacht haben: Sie fanden es toll, dass sie ihrem Drang nach Individualismus freien Lauf lassen konnten, offenbar fanden das alle anderen Häuslebauer auch toll und so hat jeder gebaut, wie es ihm gefällt und Geschmäcker können seeehr verschieden sein. So steht ein Schwedenhaus neben ihrem modernen Flachdachhaus. Als nächstes ist da ein Bungalow mit Zeltdach und am Ende der Straße steht ein oranges Haus mit Säulen, das wohl griechisch aussehen soll. Da kommt einfach kein heimeliges Gefühl auf, wenn sie ins Neubaugebiet rein fahren.

Alles fertig, alles gut?

2015 ist alles fertig, inzwischen haben sie einen Sohn namens Henry. Alle Grundstücke sind bebaut und die ersten Hecken sind schon etwas gewachsen. Doch obwohl sich Annika und Christoph nie besonders für Architektur interessiert haben, stört sie dieses Allerlei doch ziemlich. Wenn Annika durch den ihr so vertrauten Ortskern fährt, fühlt sie sich sofort zu Hause. Sie mag die engen Straßen und dass irgendwie alles besser zusammen passt. Wenn sie nach Hause kommt ist dieses Gefühl verflogen.

Christoph stört es, dass sie immer mit dem Auto zum Bäcker fahren müssen, weil das bisschen, was noch an dörflicher Infrastruktur übrig geblieben ist, natürlich im alten Ortskern liegt. Er hat mal versucht im lokalen Musikverein Fuß zu fassen, doch dort wurde er als „Zugezogener“ zum Außenseiter. Das Gefühl des Ausgeschlossenseins ging auch nach drei Monaten nicht weg, dann ist er wieder ausgetreten.

Aktive Nachbarschaft?

Das schöne am Neubaugebiet ist die Gemeinschaft, die aber mitunter auch anstrengend sein kann. Es haben sich regelmäßige Treffen mit ihren direkten Nachbarn eingeschlichen, wo es gilt die Erwartungen der anderen zu erfüllen. Wer wartet mit dem tollsten Essen, mit der schönsten Tischdekoration und dem teuersten Whiskey auf. Annika und Christoph machen sich eigentlich nichts aus solchen Wettbewerben, das bekommen sie dann aber auch mit stichelnden Kommentaren zu spüren. Freunde sind die Nachbarn jedenfalls nicht geworden.

War es die richtige Entscheidung im Neubaugebiet zu bauen?

Inzwischen beginnen Annika und Christoph grundsätzlich an ihrer Eigenheim – im – Grünen – Idee zu zweifeln. So richtig wohl fühlen sie sich in dieser „Gemeinschaft“ nicht, wie soll das bloß erst werden, wenn die Kinder weg sind? Das architektonische Allerlei stört sie unterschwellig ständig und die Bäume wollen einfach nicht schneller wachsen. Das tägliche Pendeln zur Arbeit und die Angst die Raten nicht mehr stemmen zu können, falls der Job mal weg ist, frisst Christoph so langsam auf. Er denkt an Trennung, schiebt den Gedanken aber immer wieder beiseite, wegen Henry. Annika mag das Leben auf dem Land, doch als Kind war es anders. Sie hat sich alles sehr romantisch vorgestellt und sich Situationen ausgemalt, die im Nachhinein verdächtig nach Zeitschriftenstorys aussahen.

Wegen Trennungen oder notwendigen Umzügen auf Grund von Jobwechseln wurden schon wieder 7 von den 25 Häuschen verkauft. Wie Annika und Christoph zugetragen wurde, alle mit Verlust. Zwar steigen überall in den Städten und Stadtrandgebieten die Immobilienpreise, aber hier auf dem Land eben nicht. Im Gegenteil, im alten Ortsteil gibt es inzwischen immer mehr Leerstand. Den gab es auch, wenn auch nicht in dem Maße, bevor das Neubaugebiet ausgewiesen wurde. Eigentlich doch komisch…

Dann doch die Trennung

2017 – Enttäuscht über die Realität im Neubaugebiet, haben sich die beiden letztendlich getrennt. Christoph ist zurück in die Stadt gezogen. Annika ist mit Henry zu ihren Eltern ein paar Orte weiter gezogen. Jetzt versuchen sie ihr Haus zu verkaufen. Sie haben mit einem Verkaufspreis angefangen, mit dem sie plus-minus Null aus der Sache rausgegangen wären. Inzwischen sind sie mit dem Preis runter gegangen und versuchen wenigstens die Grundstücks und Baukosten wieder raus zu bekommen. Die Nebenkosten von damals haben sie bereits abgeschrieben. Auch auf den Kosten für die Zinsen und die Vorfälligkeitsentschädigung für die Bank werden sie wohl sitzen bleiben. Bis jetzt ist das Haus noch nicht verkauft.

Diese Geschichte ist mir von einem Bekannten zugetragen worden. Freunde von ihm (natürlich habe ich die Namen geändert) haben es so erlebt. Zugegeben das ist der Worst Case. So selten ist er aber leider nicht. Doch was ist bei den beiden eigentlich schief gelaufen? Und wie hätten sie das besser machen können?

Randbedingungen analysieren!

Nachteile beim Bauen im Neubaugebiet

  • Dreck und Baulärm: Neubaugebiete sind lange eine Baustelle, das bedeutet Lärm, Dreck und keine schöne Aussicht.
    schlechte Infrastruktur: Da die meisten Neubaugebiete eine eigene Siedlung am Ortsrand bilden, muss man für  Besorgungen o.Ä. in den Ortskern oder ins Gemeindezentrum mit dem Auto fahren.
  • Architektonischer Flickenteppich: Kommunen machen in Neubaugebieten selten gestalterische Vorgaben, um Interessenten nicht abzuschrecken. Dadurch ist ein architektonisches Durcheinander vorprogrammiert, weil jeder nach seinem eigenen Geschmack baut.
  • Verlust bei Verkauf: Ländliche Neubaugebiete sind keine attraktive Lage für Hauskäufer. Ein Verkauf mit Verlust ist in ländlichen Regionen wahrscheinlich.

Annika und Christoph haben die Randbedingungen nicht analysiert und waren sich deshalb auch nicht darüber im Klaren, was sie erwartet. Der Immobilienboom und die steigenden Hauspreise der vergangenen Jahre hat sie nach langer Suche dazu verleitet eine nicht ganz durchdachte Entscheidung zu treffen. Falsche Idealvorstellungen und fehlender Austausch über  Wünsche und Ziele, die mit dem Eigenheim verbunden sind, mussten zu einem Scheitern des Projektes Eigenheim und der Ehe führen.

Deshalb: vor der Entscheidung Wünsche und Vorstellungen besprechen

  • Habt ihr die gleichen Vorstellungen vom Leben im Neubaugebiete? Annika und Christoph wollten nicht das gleiche: Sie mag das Land, er mag das Leben nah an der Stadt.
  • Seid ihr wirklich bereit zu pendeln? Christoph war sich vorher nicht darüber bewusst, wie sehr ihn das Pendeln nerven wird. Überlegt euch gut, ob ihr den zusätzlichen Zeitaufwand wirklich in Kauf nehmen wollt, und bedenkt auch die Kosten.
  • Wie stellt ihr euch die nachbarschaftliche Gemeinschaft vor? Annika und Christoph haben sich ihre Nachbarschaft besser vorgestellt, als sie letztendlich war. Haltet euch vor Augen: Eine homogene Bewohnerstruktur kann auch langweilig sein. Im Neubaugebiet weiß man außerdem vorher nicht, wer sein Nachbar wird.

Gesellschaftliche und architektonische Probleme von Neubaugebieten

  • Fehlende Dorfgemeinschaft: Gesellschaftlich sind Neubaugebiete sehr problematisch, da es selten eine richtige Dorfgemeinschaft mit alten und neuen Bewohnern gibt.
  • Fehlende Baukultur: Neubaugebiete sehen überall gleich aus. Sie sind meist an Ortsrändern und zersiedeln die Landschaft. Dadurch lösen sie dadurch weniger ein Heimatgefühl aus. Städtebaulich und architektonisch verwässern Neubaugebiete den regionaltypischen Baustil.
  • Neubaugebiete fördern den Leerstand im Ort: Durch die vermeintlich attraktiveren Neubaugebiete bleiben alte Häuser im ursprünglichen Ort immer öfter leer. Dadurch sinkt die Attraktivität des ganzen Ortes. Die Immobilienpreise fallen weiter. Auch die Immobilienpreise für gebrauchte Häuser im Neubaugebiet sind von den fallenden Preisen betroffen. Das bedroht die Altersvorsorge und Existenz der Häuslebauer.

Gute Alternativen zu Neubaugebieten für Bauwillige

  • Gebrauchtes Haus mit guter Bausubstanz, gebaut in einem regionaltypischen Baustil kaufen, sanieren und an die persönlichen Komfortansprüche anpassen.
  • Haus in schlechtem Zustand zum Grundstückspreis kaufen und abreißen. Auf das Grundstück in gewachsener Struktur einen attraktiven Neubau bauen, der der regionaltypischen Architektur in angemessener moderner Weise Rechnung trägt.
  • Freie Grundstücke im gewachsenen Ort suchen. Wenn es keine Angebote gibt, dann bei Baulücken ruhig mal bei den benachbarten Häusern klingeln und den Eigentümer erfragen. Mit geschickter Argumentation dazu bewegen, dass ihr ihm ein Angebot unterbreiten könnt.
  • Wenn es unbedingt ein Neubaugebiet sein soll (aus welchen Gründen auch immer) dann fragt bei der Gemeinde nach, ob Baugemeinschaften willkommen sind und tut euch zu einer solchen mit Freunden, Familie und Bekannten zusammen und baut ein Baugemeinschaftsprojekt. → hohe gestalterische Qualität, geringere Bau- und Planungskosten als Einzelgebäude, ihr kennt eure Nachbarn vorher

Ist es bei euch oder bei Freunden ähnlich gelaufen oder ganz anders? Ich freue mich über eure Meinungen in den Kommentaren. 

Wir verwenden Cookies, um Inhalte und Anzeigen zu personalisieren, Funktionen für soziale Medien anbieten zu können und die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Wir versuchen durch Cookies das Angebot das wir dir anzeigen für dich relevant zu gestalten und dir nur Inhalte zu zeigen die für dich interessant sein könnten. mehr Infos

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen